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Der Desktop-PC Version 2

Oktober 8, 2018

Der Schreibtisch-PC V2

Den Bau von Version 1 habe ich hier beschrieben. Die meisten Schritte für Version 2 gestalten sich ähnlich, die Unterschiede im Design möchte ich nun hier beschreiben.
Nach einigen Monaten war ich mit dem ersten Design nicht mehr ganz zufrieden. Der Korpus war zu tief, und erfüllte daher nicht ganz das Ziel, die Komponenten möglichst nah und unmittelbar in den Fokus zu rücken. Ausserdem war die Beinfreiheit durch die über 16cm Höhe des Korpus eingeschränkt, man stieß sich die Knie. Und zu guter Letzt war ein Kabel-Management, also ein Verstecken der zahlreichen Kabel nur rudimentär möglich.

Schritt 1: Vorbereiten

Für Version 2 entschied ich mich also, den Korpus niedriger und gleichzeitig leichter zu gestalten, 16mm starkes MDF wie bei Version 1 waren für den Einsatzzweck absoluter overkill. In der Höhe des Korpus war ich bislang durch den CPU-Kühler eingeschränkt gewesen, welcher weit nach oben über das Mainboard ragte. Nach einiger Recherche betreffend flacherer CPU-Kühler kam ich zu dem Schluss, dass eine Wasserkühlung das Problem am effektivsten lösen würde. Bei den handelsüblichen “all-in-one”-Lösungen, also Kühler, Pumpe, Wasserschläuche und Radiator bereits fertig verbaut, erreicht man durch das flache Pumpengehäuse deutlich niedrigere Bauhöhen, als sie mit einer Lüftkühlung effizient möglich wären. Preislich liegen Einstiegs-Lösungen mittlerweile nur noch gering über anständigen Luftkühlungen.

Um bei Version 2 ein besseres Kabel-Management vorhalten zu können, entschied ich mich für einen doppelten Boden, weshalb ich neben der Bodenplatte eine weitere Platte aus MDF mit den Grundmaßen, abzüglich der Materialstärke einplante.
Alle weiteren Komponenten konnten von Version 1 übernommen werden.

Schritt 2: Einkaufen

Das MDF kam wieder von Spiegel-Shop.de Die Glasplatte von Version 1 konnte weiter genutzt werden, daher diesmal ein deutlich billigerer Einkauf:

Gesamtsumme: um 30€.

Für die Wasserkühlung entschied ich mich für den Arctic Liquid Freezer 240. (affiliate Link)
Hintergrund war der Wunsch, ein nahezu lautloses System zu bauen. Der Arctic-Kühler hat durch seine 4 Lüfter (2 saugen an, 2 blasen weiter) einen derart hohen Luftaustausch, dass man die einzelnen Lüfter dauerhaft auf 600-700rpm laufen lassen kann, ohne das bei höherer Last die Drehzahl nachreguliert werden muss. Ich finde ein leises Dauergeräusch sehr viel weniger irritierend als ständig wechselnde Frequenzen, je nach Prozessorlast und resultierender Drehzahl.
Ich sollte nicht enttäuscht werden; obwohl ich die Pumpe nur auf halber Drehzahl laufen lasse, reicht für die vier Lüfter eine dauerhafte Drehzahl von 600rpm um den zu kühlenden Ryzen 5 1600x unter Last auf unter 60°C zu halten und im Leerlauf auf 30-35°C runter zu kühlen. Man hört das ganze System dabei wirklich nahezu gar nicht, vor allem entfallen jedoch wechselnde Lüftergeräusche.

Schritt 3: Bauen

Der Bau verlief eigentlich analog zu Version 1. Zunächst wurden alle Komponenten auf die Grundplatte gelegt und nach Festlegung eines genehmen Layouts wurden die Aussparungen für die I/O und Lüfter sowie Netzteil per Bleistift auf den Platten eingezeichnet.

Dies war diesmal jedoch mit etwas mehr Denkarbeit und Jonglieren verbunden, da zum Einen die Aussparungen auf der Rückseite für z.B. Mainboard und GPU jeweils 3cm höher geplant werden mussten, als die Komponenten auf der Platte lagen, da ja noch Platz für den doppelten Boden eingeplant werden musste. Zum Anderen mussten Aussparungen für die Lüfter sowohl auf der Zwischenplatte als auch der Grundplatte vorgesehen werden, wobei die Öffnungen auf der Zwischenplatte größer sein mussten, da hier die Lüfter versenkt werden sollten. Auf der Grundplatte wurden nur kreisrunde Öffnungen vorgesehen.

Ausserdem sah ich unter dem Mainboard sowie unter der GPU jeweils ausreichend große Öffnungen im Zwischenboden vor, welche später für das Hindurchziehen der Kabel dienen sollten. Hier gilt es die richtige Größe abzuschätzen, damit die Löcher trotz angehobener Komponenten unter selbigen nicht mehr zu sehen sind, gleichzeitig jedoch genügend Platz für alle Kabel und Stecker zu haben.

Anschließend wurden die einzelnen Platten mit Holzleim und Metallstiften zusammen getackert. An den vier Ecken sowie an 4-5 Stellen verteilt klebte ich diesmal kleine Holzwürfel von etwa 3cm Höhe ein, welche den Zwischenboden stützen und auf gleichem Abstand zur Grundplatte halten. Die Zwischenplatte wurde dann lediglich mit diesen Klötzen verleimt.

Der Roh-Korpus:
Anschließend erfolgte das Lackieren. Auch hier wieder mein Tipp: MDF sollte vor der endgültigen Lackierung grundiert werden. Ich tat dies nicht, und habe viel Sprühlack “verballert”, welcher ins Holz einzog, aber nicht unmittelbar als Farbton sichtbar war. Leider habe ich während des Lackierens keine Fotos geschossen, man kann das Endergebnis jedoch weiter unten betrachten. Ich entschied mich diesmal für eine “Rostfarbe” für innen und Weiß für aussen. In Kombination mit einer weniger bunten Beleuchtung als bei Version 1 (warm-weiße LED-Streifen von IKEA, statt der RGB-Streifen) ergibt sich somit ein dunkleres und ruhigeres Gesamtbild, welches besser zum dunklen Holz des Tisches passt, und weniger ablenkt.
Die Abdichtung der Glasplatte zum Korpus erfolgte diesmal passend zur Rostfarbe mit einem braunen Fenster-Isolierband in 8mm Stärke. Auch verzichtete ich diesmal auf eine vollständige Umrandung zwischen Korpus und Glas, um ein simpleres Gesamtbild zu kreieren. Nötig war jedoch zumindest ein schmales Brett an der Vorderseite, unter welchem besagter LED-Streifen verläuft. Ohne dieses Brett würde die Beleuchtung zu stark im Monitor gespiegelt.
Die Hochzeit zwischen Korpus und Tischplatte war langwierig und nervenaufreibend, da entweder der neue Korpus wenige Millimeter größer als geplant geraten war, oder das Holz der Tischplatte in den vergangenen Monaten gearbeitet hatte. Das Loch in der Tischplatte war so oder so minimal zu klein. Mit etwas Schnitzerei und viel Pressen und Fluchen gelang es schließlich, und der Korpus wurde mit Winkeln von unten an der Tischplatte angeschraubt.

Es erfolgte der Einbau der Komponenten. Hierbei wurde zunächst das Netzteil eingesetzt, im weiteren die Lüfter, die Wasserkühlung und das Media-Dashboard. Sämtliche Kabel wurden im Zwischenboden geführt und bei dem großen Loch unter dem Mainboard wieder zu Tage gefördert. Die Festplatten (SSD´s) wurden angeschlossen und anschließend irgendwo im Zwischenboden versteckt. Zuletzt wurden Mainboard und GPU eingesetzt und mit Holzschrauben und Gummifüßen (siehe Version 1) fixiert. Von unten wurden die Lüftereinlässe noch mit einem Staubschutz verklebt, Glasplatte drauf. Fertig.

Schritt 4: Benutzen

Dem aufmerksamen Leser ist vielleicht nicht entgangen, dass der PC keinen Power-Knopf hat. Das ist Absicht (und Faulheit). Ein stylischer Power-Button könnte natürlich leicht in ein kleines Loch in der Frontplatte oder sogar der Tischplatte verbaut und mit den entsprechenden Pins am Mainboard verbunden werden.
Ich nutzte jedoch lieber diesen Schalter: ANSMANN Steckdosenadapter energiesparend (affiliate Link)

Diese Steckdose kann angelernt werden, sich selbst auszuschalten, sobald ein gewisser Stromverbrauch unterschritten wird. Sobald der PC sich nach dem Herunterfahren ausschaltet, schaltet sich die Steckdose nach 60 Sekunden ab. An die Steckdose habe ich einen Verteiler gehängt, in welchem neben dem PC auch Monitor, Beleuchtung, Drucker, etc. eingesteckt sind. Somit schaltet sich der gesamte Arbeitsplatz durch das Herunterfahren des PC automatisch aus. Der große rote Button liegt auf dem Schreibtisch. Bei Betätigung schaltet sich die Steckdose wieder ein. Im BIOS des PC ist eingestellt, dass sich dieser nach Wiederverbindung mit der Stromversorgung selbsttätig einschaltet. Somit brauche ich keinen extra Power-Button.

Ich bin mit dem “Schreibtisch-PC Version 2” bislang sehr zufrieden. Wie bereits oben beschrieben ist er dank der niedrig drehenden Lüfter nahezu geräuschlos, aufgrund des großen Gehäusevolumens gibt es trotzdem nie thermische Probleme. Das Glas ist sehr stabil, selbst einige Aufpralle schwerer Gadgets hat es bislang überlebt. Getränke habe ich auch schon mehrfach versehentlich verschüttet, dank des Isolierbandes hat man jedoch genügend Zeit zum Aufwischen bevor Flüssigkeit ins Gehäuse sickern kann.

Abschließend noch eine Teileliste der aktuell verbauten Hardware:

Ich hoffe der kleine Bau-Bericht hat Spaß gemacht, war nicht zu lang und dient dem ein oder anderen vielleicht als Inspiration für ähnliche Projekte.

In diesem Sinne

Jan Michaelsen